English version below.

Orte und Epistemologien des Wissens
8. JULI 2022, 9:30 – 19:15 UHR

W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V.
Nernstweg 32 – 34
22765 Hamburg

In The Place of the Idea and the Idea of the Place (1996) stellt die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison in einer poetischen Rede an der Princeton University die Frage nach dem Zusammenhang von Ort und Idee der Generierung von Wissen, und erzeugt auf diese Weise, nicht nur einen kritischen, literarischen Text, sondern kreiert auch eine andere Art des Wissens, die die Universität als Ort des Wissens sachte hinterfragt. Auch von anderer Seite wird die Universität, die gemeinhin als autorisierter Ort des Wissens und der Wissensgenerierung auf erkenntnistheoretischer und philosophischer Ebene verstanden wird, in Frage gestellt. Insbesondere Jacques Derrida hat die Universität als den Ort der Wissenserzeugung besonders in der Schrift L’Université sans condition (2001) herausgefordert und gleichzeitig neu gesetzt. In dem Band Another Knowledge is Possible – Beyond Northern Epistemologies (2008), wiederum laden Boaventura de Sousa Santos, Joao Arriscado Nunes und Maria Paula Meneses zur Veranschaulichung und Arbeit mit den vielschichtigen theoretischen und praktischen globalen Erkenntnistheorien und ihren Einbezug in etabliertes Wissen und seine Erzeugung ein.

Das Symposium nimmt, aufbauend auf diesen Interventionen, kritische Fragen nach der Verortung des Wissen und den Orten des Wissens auf, um verschiedene Aspekte dieser Fragestellung zu Literatur, Kunst und Film, Algorithmen und Feminismus, Kartographieren und Imaginationen von Macht(-strukturen), und Archive und Archivierung zum Thema und Diskussion zu machen.

Wir wollen fragen was als Wissen betrachtet wird, wo es verortet wird, wo es entstehen kann, und wer Wissen benennt. Es wird so nach Subjekten und Wissen, und den Subjektivitäten, die mit ihm verbunden werden, gefragt.  Besonderer Fokus liegt dabei auf Fragen nach den intersektionalen Machtzusammenhängen von Geschlecht, ‚Rasse’/Ethnizität, class, different ability, Alter, Sexualität und anderen gesellschaftsbestimmenden Kategorien, die Wissen strukturieren und definieren, was es ist, und wer sie bestimmt (und bestimmen darf). Diese Ansätze des Zusammenhangs von Örtlichkeit und Epistemologien als Ausgangspunkt nehmend, stellen wir in dieser Veranstaltung die Frage nach Orten des Wissens, welche die Universität bilden, aber auch nach solchen, die sie überschreiten, sowie nach der BeDeutung von Orten, die Subjektivitäten unterschiedlich erzeugen und zuweisen und so zu Instanzen von Autorität, Kontrolle und Policing von Körpern werden lassen können oder diese Instanzen unterminieren.

Welche Körper bekommen Sprechmacht und welchen wird dieser entzogen, welche Körper werden kontrolliert, welche nicht, welche Formen von Wissen werden dabei außer Kraft gesetzt und welche erzeugt, wie werden diese auf theoretischer, praxisorientierter, aktivistischer und künstlerischer Ebene diskutiert und herausgefordert und welche Formen alternativer WissensOrte lassen sich dabei generieren, die die Idee der Universität als Ort des Wissens und Wissen als Orte von Ideen erweitern und zu anderen neuen Erkenntnissen beitragen können. So gibt es unendlich viele andere Orte, in denen Wissen generiert wird, in der Alltagsästhetik (auf den Straßen, in konvivialen, translokalen Zusammenhängen, in digitalen Bereichen) und in den Künsten (der Musik, Literatur, Malerei, Performance-Bereich). Im Symposium fragen wir nach deren Entstehung(-smöglichkeiten) und ihren Wirkmächtigkeiten, die oft in den Hintergrund geraten.

Daran anschließend findet das erste Treffen der Arbeitsgruppen der FG statt, die sich in der ersten Mitgliederversammlung am 12.11.2021, ergeben hatten und allen offen stehen. Die Sitzung ist eine analoge Veranstaltung und findet in den Räumen der W-3 in Hamburg statt. Die Teilnahmezahl für die Workshops ist auf je 15 beschränkt. Wir bitten daher bei der Registrierung auch die Teilnahme am Workshop anzugeben. Das Event schließt mit einem Filmscreening als Abendveranstaltung zur Dekolonisierung der Un/Sichtbarkeit/Un/Hörbarkeit – Stichwort: Film & Archiv – Film als Archiv, mit Gast und anschließendem Publikumsgespräch.


Die Teilnahme an der Fachtagung ist für Mitglieder der FG DeKolonial e.V. kostenlos. Alle anderen Teilnehmer*innen bitten wir um einen

Unkostenbeitrag nach dem Solidarprinzip zwischen etwa 20 und 40€.

Wenn nach der Veranstaltung Interesse besteht, Mitglied der FG DeKolonial e.V. zu werden, kann dieser Beitrag als Jahresbeitrag angerechnet werden.


Teilnahme- und Reisestipendien

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Wegrand Stiftung, können

fünf Teilnahme- und Reisestipendien in Höhe von jeweils maximal 100 € an Studierende/Promovierende of Colour vergeben werden.

Einzureichen ist hierfür ein kurzes Motivationsschreiben, aus dem hervorgeht, inwiefern die eigene Forschung vom Besuch des Symposiums profitiert, ein Lebenslauf inkl. Kontaktdaten (max. 1 Seite), sowie eine Immatrikulations- bzw. Promotionsbescheinigung (Kopie), alles zusammengefasst in einem PDF-Dokument an 

fg-dekolonial@posteo.de 

Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung über den Button unten und die Überweisung des Teilnahmebeitrages bis zum 25. Juni 2022 an:

Kontoinhaber*innen:
FG DeKolonial e.V. –
Fachgesellschaft für rassismuskritische, postkoloniale und dekoloniale Theorie und Praxis

Verwendungszweck: Symposium2022_[Nachname]

IBAN: DE49430609671256005600
BIC: GENODEM1GLS


Places and Epistemologies of Knowledge
July 8, 2022; 9:30a.m. – 7:15P.M.

W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V.
Nernstweg 32 – 34
22765 Hamburg

In The Place of the Idea and the Idea of the Place (1996), the writer and winner of the Nobel Prize for Literature Toni Morrison, in a poetic speech at Princeton University, poses the question of the connection between the place and the idea of knowledge (production), and in this way, not only creates a critical, literary text, but also creates a different kind of knowledge that subtly questions the university as a place of knowledge. The university, commonly understood as the authorized site of knowledge and knowledge generation on an epistemological and philosophical level, has also been questioned from other quarters. Jacques Derrida, in particular in The University without Condition (2002), has both challenged and re-set the university as the privilege site of knowledge production. In the volume Another Knowledge is Possible – Beyond Northern Epistemologies (2008), again Boaventura de Sousa Santos, Joao Arriscado Nunes and Maria Paula Meneses invite us to work with the multi-layered theoretical and practical global epistemologies and their incorporation into established knowledge and knowledge generation.

Building on these interventions, the symposium takes up critical questions about the situatedness of knowledge and the loci of knowledge production to ponder upon various aspects of this approach with regard to literature, art and film, algorithms and feminism, mapping and imaginaries of power(structures), and archives and archiving for further discussion. We want to ask what is considered as knowledge, where it is located, where it can emerge, and who defines it. Thus, we ask about the subjects of knowledge production, as well as the subjectivities that are associated with it. Particular focus is placed on questions of intersectionality and power relations, the role of gender, ‚race’/ethnicity, class, differential ability, age, sexuality, and other socially defining categories that structure and define knowledge and determine its frame(s). Taking these approaches to the intertwinement of localities and epistemologies as a starting point, in this event, we ask questions about the locus of knowledge that constitutes the university, but also about those loci that transcend it, as well as about the space and meaning of loci that variously generate and assign subjectivities and thus can become instances of authority, control, and policing of bodies and those that undermine these instances of authority.

Which bodies are given speaking power and which are deprived of it, which bodies are controlled and which are not, which forms of knowledge are thereby overridden and which are generated, how are these discussed and challenged on a theoretical, practice-oriented, activist, and artistic level, and which forms of alternative places of knowledge can be generated in the process that can expand the idea of the university as a place of knowledge and knowledge as places of ideas, and contribute to other new (definitions of) knowledge(s). There are infinite other places where knowledge is generated, in everyday aesthetics (on the streets, in convivial, translocal contexts, in digital realms), and in the arts (the music, literature, painting, performance realm). In the symposium we ask about their emergence(-possibilities) and their efficacies, which often fade into the background.

The symposium begins with a keynote address, followed by 3 parallel workshops to deepen these questions from different disciplinary perspectives, which will be presented in a discussion-oriented plenary session. This will be followed by the first meeting of the working groups of FG DeKolonial e.V. which were founded in the first general meeting on 12/11/2021. The meeting is an analog event and will take place in the rooms of W-3 in Hamburg. The number of participants in each of the workshops is limited to 15 people. Please indicate which workshop you would like to join.
The event will close with an evening program, a film-screening, on the decolonization of the un/visible/un/speakable – keywords: film & archive – film as archive, followed by a podium discussion with the audience and a guest-discussant.


Participation in the symposium is free of charge for members of the FG DeKolonial e.V. We kindly ask all other participants for a

solidarity contribution between €20 and €40.

If you are interested in becoming a member of the FG DeKolonial e.V. after the event, this contribution can be credited as an annual fee.


Participation and Travel Grants

Thanks to the generous support of the Wegrand Foundation,

five participation and travel grants of a maximum of 100 € each can be awarded to students/doctoral candidates of colour.

To apply, please submit a short motivation letter explaining how your research will benefit from participation in the symposium, a CV with contact details (max. 1 page) and a copy of your matriculation or doctoral certificate, all summarised in one PDF document, by 25 June 2022 to

fg-dekolonial@posteo.de 

Please register via the button below.
The transfer of the conference fee is due by 25 June 2022:

Account holders:
FG DeKolonial e.V. –
Fachgesellschaft für rassismuskritische, postkoloniale und dekoloniale Theorie und Praxis

Purpose: Symposium2022_[Name]

IBAN: DE49430609671256005600
BIC: GENODEM1GLS